Berufe der ICT 42 Informatik-Berufsbilder und die notwendigen Kompetenzen

3.8.3.13 Höhere Fachschule (Tertiär B)

Die höheren Fachschulen positionieren sich gemeinsam mit den eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen im nicht hochschulischen Tertiärbereich (Tertiär B). Die Bildungsgänge bauen auf der Sekundärstufe II auf und führen zu einem eidgenössisch anerkannten Diplom. Im Diplom wird der entsprechende Titel mit «dipl.» und den Ergänzungen HF (Höhere Fachschule) oder NDS-HF (Nachdiplomstudium Höhere Fachschule) aufgeführt.

Im Unterschied zu den eidgenössischen Prüfungen sind bei den höheren Fachschulen die Bildungsgänge geregelt und durch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) anerkannt. Die Qualifikationsverfahren (Prüfungen) finden an den Schulen selber statt.

Die Bildungsgänge basieren auf Rahmenlehrplänen, die von den Organisationen der Arbeitswelt (OdA) in Zusammenarbeit mit den Schulen erlassen werden.

Absolvierende einer höheren Fachschule geniessen in der Wirtschaft einen guten Ruf und werden oft im mittleren Kader eingesetzt. Neben der fachlichen und theoretischen Ausbildung an der Schule bilden die begleitende Berufspraxis oder die in die Ausbildung integrierten Praktika einen wesentlichen Bestandteil zum Erwerb von erweiterten beruflichen Handlungskompetenzen.

Ausbildungsziele der HF

Zum Markenzeichen von höheren Fachschulen gehört die konsequente Praxisorientierung und damit die Sicherstellung der Aktualität des vermittelten Wissens, basierend auf den Bedürfnissen der Wirtschaft. Deshalb stehen im Zentrum der Ausbildung konkrete Problemstellungen aus allen Bereichen der Wirtschaft.

Absolvierende an HF erlangen nicht nur höhere berufliche Qualifikationen, sie werden auch auf Fach- oder Führungsfunktionen vorbereitet.

Argumente für die Informatikausbildung an einer höheren Fachschule

Für den Zugang in eine HF wird eine abgeschlossene Lehre und wenig Berufspraxis im entsprechenden Berufsfeld vorausgesetzt.

Die notwendigen Kompetenzen für die Ausübung des adressierten Berufs werden während der Ausbildung erworben.

Die Ausbildung an einer HF umfasst immer auch allgemeinbildende Fächer wie Englisch, Mathematik, Rechtskunde, Betriebswirtschaft

etc. Der Praxisbezug der Ausbildung zum beruflichen Umfeld der Absolvierenden  wird über Praxisarbeiten, Projekt- und Diplomarbeiten etc. sichergestellt.

Nach dem Studium an einer höheren Fachschule werden den Absolvierenden zahlreiche Weiterbildungslehrgänge und eidgenössisch anerkannte Nachdiplomstudien an höheren Fachschulen angeboten. Diese erlauben eine Spezialisierung und Vertiefung. Eine weitere Qualifizierung ist auch möglich durch zahlreiche Angebote an Fachhochschulen, z.B. Master of Advanced Studies (MAS) in Informatik, MAS in Business Informatik, MAS in Wirtschaftsinformatik, MAS in Business Administration, MAS in Unternehmensführung.

Es gibt in der ICT auch heute noch einen sehr grossen Anteil von Quereinsteigern. Für diese Berufsleute ist ein Studium an einer höheren Fachschule eine sehr gute Möglichkeit, einen eidg. anerkannten Abschluss in der ICT zu erlangen.

Rahmenlehrpläne

Bei den höheren Fachschulen sind die Bildungsgänge durch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) anerkannt.

Auf Antrag der Eidgenössischen Kommission für höhere Fachschulen (EKHF) genehmigt das SBFI die Rahmenlehrpläne.

Diese regeln unter anderem 

  • das Berufsprofil
  • die zu erreichenden Kompetenzen
  • die Titel
  • die Bildungsbereiche und deren zeitliche Anteile.

Rahmenlehrpläne dienen dazu, die höheren Fachschulen besser zu positionieren. Sie tragen auch dazu bei, dass die angestrebten Qualifikationen mit dem Bedarf der Wirtschaft und des Arbeitsmarkts möglichst übereinstimmen.

Ausbildung

HF-Studiengänge bauen auf einer abgeschlossenen Berufslehre auf und dauern zwei oder drei Jahre (je nach Schule und Lehrgang, Vollzeit oder berufsbegleitend). Das Studium dauert je nach Richtung zwischen 1300 und 1800 Präsenzlektionen.

Schulen

welche Studiengänge für die Tertiärstufe B anbieten, müssen sich  einem aufwendigen Anerkennungsverfahren unterziehen.

Adressen

Viele Schulen bieten Lehrgänge im Bereich der Informatik an. Die Konferenz HF führt ein Verzeichnis der Schulen, welche Bildungsgänge auf der Stufe Höhere Fachschule anbieten.

www.konferenz-hf.ch

Adressen von höheren Fachschulen finden sich auch im Berufsverzeichnis des Staatsseretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).

www.sbfi.admin.ch

Lehrgänge

Im ICT-Bereich werden mehrere Bildungslehrgänge HF angeboten:

  • Dipl. Techniker/in HF, Fachrichtung Informatik mit Vertiefungen

- Applikationsentwicklung
- Systemtechnik
- System Engineering
- Software Engineering

  • Dipl. Techniker/in HF, Fachrichtung Telekommunikation
  • Dipl. Wirtschaftsinformatiker/in HF

 

Dipl. Techniker/in HF, Fachrichtung Informatik mit Vertiefung Applikationsentwicklung

übernehmen anspruchsvolle Programmieraufgaben mit geeigneten Programmiersprachen in unterschiedlichen Programmierumgebungen. Dazu können sie im Bereich der Informatik weitere Aufgaben übernehmen wie zum Beispiel im Verkauf, in der Beratung und Schulung oder als Produktemanager für die Implementierung kundenspezifischer Funktionen.

Oft übernehmen sie Projektleitungsfunktionen im ICT-Bereich oder die Leitung von Entwicklungsgruppen oder Dienststellen.

Fachprozesse:
-  Software entwickeln
-  Software testen
-  Datenbanken entwickeln
-  Software migrieren
-  Informatiksysteme optimieren

 

Dipl. Techniker/in HF, Fachrichtung Informatik mit Vertiefung Systemtechnik

können selbstständig ICT-Infrastruktur-Projekte leiten, Anforderungen an ICT-Systeme erheben, entsprechende Evaluationen bei Anbietern durchführen und anschliessend die ausgewählte Infrastruktur installieren. Sie können ganze Netzwerke, Server- und Client-Populationen aufsetzen, betreiben und deren Nutzung optimieren. Sie sind in der Lage, Firewalls, Routers etc. so zu konfigurieren, dass die Benutzer sicher arbeiten können. Für die Büroumgebung können sie entsprechende Datenbank-, File-, Mail- und Internet-Server aufsetzen und die Clients anschliessen.

Sie können zudem sämtliche mobilen Kommunikationsgeräte (iPhone, Laptop, iPad etc.) an ein Netzwerk sicher anbinden und den Austausch der Daten sicherstellen. Die ganze Organisationsstruktur rund um den Betrieb der ICT-Infrastruktur ist für sie kein Fremdwort. Sie wissen, wie man eine IT-Hotline organisiert, wie man das Problem- und Konfigurationsmanagement betreibt.

 

Dipl. Techniker/in HF, Fachrichtung Informatik mit Vertiefung System Engineering

sind hauptsächlich in KMUs als Verantwortliche des ICT-Betriebs oder eines Support-Teams tätig. Sie unterstützen die Benutzenden bei der Anwendung von Applikationen, beschaffen Informationen für das Management und erstellen entsprechende Berichte. Im Vordergrund ihrer Arbeit steht die Sicherstellung eines reibungslosen Betriebes sowie die Aktualisierung der ICT-Infrastruktur. Sie entwickeln für Kunden neue Services, führen diese im Betrieb ein und stellen die Kundenzufriedenheit mit Messungen, Umfragen sowie Anpassungen sicher. Sie analysieren Geschäftsprozesse und bestehende Systemarchitekturen, leiten davon Anforderungen ab und suchen nach neuen Lösungen. Sie planen Migrationen und setzen sie mit den verantwortlichen Stellen um. Ihre erworbenen Sozial- und Methodenkompetenzen unterstützen sie bei diesen wichtigen Aufgaben.

 

Dipl. Techniker/in HF, Fachrichtung Informatik mit Vertiefung Software Engineering

entwickeln kommerzielle wie auch technische Applikationen.

Sie setzen die strukturierte und objektorientierte Methode für die Entwicklung von Applikationen im kommerziellen Bereich oder bei der Steuerung von Maschinen adäquat und gekonnt ein.

Die methodisch entwickelten Lösungen werden auf Einzelplatz-PCs, Client-Server-Umgebungen und Legacy-Systemen installiert. Als Leader eines Wartungsteams analysieren und optimieren sie Geschäftsprozesse, leiten ICT-Anforderungen ab und führen Software-Evaluationen durch. Mit der Konzeption sowie der Einführung eines Q-Systems, das durch ein Konfigurationsmanagementsystem unterstützt wird, stellen sie eine hohe Qualität bei der Softwarewartung sicher.

 

Dipl. Techniker/in HF, Fachrichtung Telekommunikation

befassen sich mit der Vernetzung von Systemen und der Bereitstellung von netzwerkgestützten Diensten. Dabei analysieren sie die Bedürfnisse der Stakeholder und setzen diese in der geforderten Qualität um. Mit ihren guten Kenntnissen der unterschiedlichen Telekommunikationstechnologien stellen sie den sicheren und hochverfügbaren Betrieb der ICT-Systeme sicher.

In kleineren oder mittleren Unternehmen (KMU) übernehmen sie die Verantwortung für den Aufbau von Netzwerken und servergestützten Netzwerkdiensten. Sie passen diese bei Bedarf den veränderten Bedürfnissen und technologischen Rahmenbedingungen an. Sie überwachen die Netzwerke und Netzwerkdienste mit geeigneten Hilfsmitteln. Damit stellen sie sicher, dass Ausfälle durch proaktives Agieren vermieden oder auf möglichst kurze Zeiten beschränkt werden. Sie stellen die Koordination und Kommunikation zwischen dem Unternehmen und den externen Anbietern von Dienstleistungen sicher und arbeiten mit bei der Definition von Service Level Agreements (SLA).

Fachprozesse:

- Netzwerke konzipieren und implementieren
- Netzwerkdienste planen und realisieren
- Vernetzte ICT-Systeme betreiben
- Sicherheit und Verfügbarkeit gewährleisten
- ICT-Systeme warten und optimieren

Adressaten:

Diese Ausbildung richtet sich an Berufsleute aus den Bereichen Informatik, Telekommunikation und Elektrotechnik. Personen, welche diese Ausbildung wählen, arbeiten vielmals im Netzwerksupport und möchten künftig anspruchsvollere Aufgaben im Bereich Entwicklung oder Planung übernehmen.

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.zbw.ch

 

Dipl. Wirtschaftsinformatiker/in HF

haben Kontakt mit Menschen und Technologien und sie können den Brückenschlag zwischen Betriebswirtschaftslehre und Informatik vollziehen. Sie verfügen in beiden Disziplinen über das notwendige Fachwissen, um mit den jeweiligen Spezialisten kompetent zu kommunizieren und optimale Problemlösungen zu erarbeiten.

Sie analysieren betriebliche und überbetriebliche Geschäftsprozesse, prüfen deren Potenzial zur Unterstützung durch Informations- und Kommunikationstechnologien und konzipieren, planen, implementieren und betreiben innovative und komplexe soziotechnische Systeme.

Dipl. Wirtschaftsinformatiker/innen setzen ihre ausgeprägten Kenntnisse und Fertigkeiten in den Bereichen Leadership und Sozialkompetenzen, Betriebswirtschaftslehre, Projektmanagement und Qualitätsmanagement, Business Integration und Geschäftsprozessdesign sowie Sicherheit und Datenschutz für die Erstellung interdisziplinärer Lösungen ein. Sie zeichnen sich durch unternehmerisches und ganzheitliches Denken aus. Ihr Aufgabengebiet wird von den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten moderner Technologien beeinflusst.

Dipl. Wirtschaftsinformatiker/innen stellen die bedarfsgerechte Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien in den Vordergrund. Dazu beobachten sie technologische

Innovationen und beurteilen deren Potenzial (Chancen und Risiken) für die sich ebenfalls verändernden organisatorischen und wirtschaftlichen Strukturen. Die Dynamik dieser Innovationen und Veränderungen versetzt Wirtschaftsinformatiker/innen oftmals in die Rolle zentraler Change-Manager und verleiht ihnen dementsprechend hohe Verantwortung im Unternehmen. Mit einer Weiterbildung zum Wirtschaftsinformatiker HF haben sie nicht nur hervorragende Berufschancen, sondern werden in die Lage versetzt, sich massgeblich am Erfolg ihres Unternehmens zu beteiligen.

Trägerin des Rahmenlehrplanes ist die Interessensgemeinschaft:

Berufsbildung Wirtschafts-Informatik:
www.ig-bwi.ch

Informationen zu weiteren Bildungsgängen, Nachdiplomstudiengängen und zu den Themen

  • Übersicht HF Bildungsgänge nach Kantonen
  • Übersicht Nachdiplomstudien HF nach Kantonen
  • Anerkannte Bildungsgänge und Nachdiplomstudiengänge

finden Sie unter:  www.sbfi.admin.ch