Berufe der ICT 42 Informatik-Berufsbilder und die notwendigen Kompetenzen

3.8.3.3 Eidg. Fachausweis (Tertiärstufe B)

Der eidg. Fachausweis gehört zu den erfolgreichsten Prüfungen im Bereich der höheren Berufsbildung. Beim eidg. Fachausweis handelt es sich um ein Prüfungssystem, das auf Praktiker/innen zugeschnitten ist und ursprünglich auf Vorstellungen aufbaut, die auf das traditionelle Handwerk zurückgehen.

Das Erfolgsmodell «Fachausweis» gehört zur höheren Berufsbildung.

Wichtig: Der Besuch bestimmter Lehrgänge ist nicht vorgeschrieben. Dennoch absolvieren rund 90% der Prüfungsabsolvierenden Prüfungsvorbereitungskurse.

Nachzuweisen ist hingegen eine mehrjährige einschlägige Berufstätigkeit.

Gedacht ist an Karrieren, die mit einer Berufslehre beginnen, von einer mehrjährigen einschlägigen Tätigkeit gefolgt sind und allenfalls zu Vorgesetztenpositionen führen.

Ein Blick zurück …

Die gesetzlichen Grundlagen für eidg. Fachausweise generell wurden 1963 geschaffen. Mit der Berufsprüfung wollte man feststellen, ob jemand die erforderlichen beruflichen Fähigkeiten und Kenntnisse besitzt, um die Stellung eines Vorgesetzten zu bekleiden oder eine berufliche Funktion zu erfüllen, die wesentlich höhere Anforderungen stellt als die Berufslehre. Bei den Informatikern entstand das erste Reglement für den Fachausweis 1981.

Wer macht den eidg. Fachausweis?

Im Schnitt sind Absolvierende des eidg. Fachausweises 33 Jahre alt. Sie verfügen überwiegend über einen Lehrabschluss.

Die meisten Absolvierenden bringen den geforderten praktischen Hintergrund und lassen sich mit dem eidg. Fachausweis attestieren, dass sie das Qualifikationsprofil für anspruchs- und verantwortungsvolle Tätigkeiten erfüllen.

Der Frauenanteil in Berufsfeld ICT liegt zwischen 10–15%.

Wer den eidg. Fachausweis erwerben will, muss vertiefte berufsfeldbezogene Kompetenzen vorweisen.

Zulassungsbedingungen

Informationen über die Zulassungsbedingungen zu den Prüfungen finden Sie auf folgenden Homepages:

Informatiker/in und Mediamatiker/in
www.ict-berufsbildung.ch
Spezialist/in in Unternehmensorganisation
www.sgo.ch
Telematik-Projektleiter/in
www.vsei.ch

Abschlussprüfung

Wer die Abschlussprüfung bestanden hat, er-hält den vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) ausgestellten eidgenössischen Fachausweis und wird in ein vom SBFI geführtes Register eingetragen.

Argumente für den eidg. Fachausweis

Ist es in den sich rasch entwickelnden Berufsfeldern der ICT und Organisation überhaupt sinnvoll und zeitgemäss, den eidg. Fachausweis zu erwerben?

Die folgenden Gründe sprechen dafür:

  • relevanter Nutzen
    Der Fachausweis ist ein wichtiger Türöffner bei Bewerbungen. Er fördert die berufliche Laufbahn und ist häufig direkt lohnrelevant.
  • eidgenössisch anerkannt
    Es gibt keinen anderen Ausweis auf der Stufe höhere Berufsbildung mit gesamtschweizerisch gleichen Anforderungen, der eidgenössisch anerkannt ist. Die Hürde ist für alle Absolventen gleich hoch.
  • bekannt und verbreitet
    Zahlreiche Unternehmen unterstützen die Vorbereitung auf den eidg. Fachausweis mit Zeitgutschriften, finanziell oder mit einem Mix aus beidem.
  • praxisnah
    Der eidg. Fachausweis orientiert sich konsequent an beruflichen Qualifikationsprofilen und erreicht damit maximal mögliche Praxisnähe.
  • machbar
    Der Erwerb des eidg. Fachausweises ist auf die Bedürfnisse von Berufstätigen zugeschnitten. Die Prüfungsvorbereitung kann neben der beruflichen Tätigkeit erfolgen. So lassen sich die Ansprüche von Familie, Partnerschaft, Beruf und Weiterbildung unter einen Hut bringen.
  • kalkulierbar
    Das zeitliche und finanzielle Engagement lässt sich im Voraus gut einschätzen.
  • stufengerecht
    Der eidg. Fachausweis ist der erste Schritt von der Fachkraft zum «Vorarbeiter». Daran lässt sich bei Bedarf der Schritt zum «Meister» (eidg. Diplom) nahtlos und abgestimmt anhängen.

Fazit

Wer einen Beruf in der ICT oder Organisation gewählt hat und über die nötigen Kompetenzen und genügend Erfahrung verfügt, für den ist der Weg zum eidg. Fachausweis eine gute, sichere und in jeder Hinsicht zu bewältigende Investition. Der Erwerb des eidg. Fachausweises zeigt den Absolvierenden, wo sie stehen, und (potenziellen) Arbeitgebern, was sie erwarten dürfen. Der eidg. Fachausweis sollte dann in Angriff genommen werden, wenn Know-how und Umfeld stimmen.

Eine gute Alternative zu theoretischeren, längeren, breiter angelegten Ausbildungswegen ist der Fachausweis auch für junge Lehrabgänger/innen, die möglichst rasch und konsequent von der Berufslehre über den eidg. Fachausweis zum eidg. Diplom gelangen wollen.

In den nachfolgenden drei Unterkapiteln sind die eidg. Fachausweise für

  • Informatiker/in
  • Mediamatiker/in
  • Telematik-Projektleiter/in
  • Spezialist/in in Unternehmensorganisation

beschrieben.